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Branchen

Branchen als fachliche Grundlage für Grenzwerte, Stoffe und die Bewertung von Indirekteinleitern

Mit Branchen werden Indirekteinleiter nach ihrer betrieblichen Tätigkeit oder ihrem fachlichen Tätigkeitsfeld klassifiziert. Die Branchenzuordnung dient in WAVE nicht nur der Beschreibung eines Betriebes, sondern bildet eine wichtige Grundlage für die weitere fachliche Verarbeitung im Indirekteinleiterkataster.

Über eine Branche können insbesondere eine Rechtsgrundlage und branchentypische Stoffe mit Grenzwerten vorgegeben werden. Wird die Branche einem Indirekteinleiter zugeordnet, kann WAVE diese Vorgaben bei der Anlage und Pflege der Stoff- und Grenzwertdaten berücksichtigen. Branchen können außerdem bei der Suche, bei der Anzeige und bei der Ermittlung von Vorschlägen für die Abwasserrelevanz verwendet werden.

Klassifizieren

Indirekteinleiter nach ihrer betrieblichen Tätigkeit einordnen.

Stoffe & Grenzwerte

Branchentypische Stoffe und fachliche Grenzwertvorgaben hinterlegen.

Rechtsgrundlage

Eine passende Rechtsgrundlage mit der Branche verknüpfen.

Auswerten

Indirekteinleiter nach Branche suchen, filtern und fachlich vergleichen.

Wofür werden Branchen benötigt?

Die Branchenverwaltung ist ein Stammdatenbereich des Indirekteinleiterkatasters. Sie stellt fachliche Vorlagen bereit, die mehreren Indirekteinleitern zugeordnet werden können.

Der praktische Nutzen liegt vor allem darin, dass bei Betrieben derselben Branche häufig ähnliche abwasserrelevante Stoffe und vergleichbare rechtliche Anforderungen auftreten. Anstatt diese Grundinformationen für jeden Indirekteinleiter vollständig neu zu erfassen, können sie in der Branche zentral hinterlegt und anschließend bei den zugehörigen Indirekteinleitern berücksichtigt werden.

Der wesentliche Zweck
Die Branche verbindet die betriebliche Tätigkeit eines Indirekteinleiters mit den dafür typischen Stoffen, Grenzwerten und rechtlichen Vorgaben. Sie ist damit ein fachliches Ordnungs- und Steuerungsmerkmal und nicht lediglich ein zusätzliches Beschreibungsfeld.

Ein Indirekteinleiter kann dabei mehr als einer Branche zugeordnet werden. Die Zuordnungen besitzen einen Gültigkeitszeitraum, sodass auch Änderungen der betrieblichen Tätigkeit historisch abgebildet werden können.

Übersicht der Branchen

Die Branchenübersicht zeigt die vorhandenen Branchen alphabetisch nach ihrer Bezeichnung. In der Liste werden insbesondere folgende Informationen dargestellt:

AngabeBedeutung
Bezeichnung Name der Branche und zentrale Kennzeichnung für die Auswahl.
Rechtsgrundlage Rechtliche Grundlage, die fachlich mit der Branche verknüpft ist.

Schreibgeschützte Datensätze werden in der Übersicht mit einem Sperrsymbol gekennzeichnet. Die Liste kann über die allgemeinen Ausgabefunktionen gedruckt oder exportiert werden.

Branche anlegen

Beim Anlegen einer Branche werden die allgemeinen Stammdaten und – falls erforderlich – die fachlichen Grenzwertvorgaben erfasst.

1 Bezeichnung erfassen
Vergeben Sie einen eindeutigen und fachlich verständlichen Namen.
2 Rechtsgrundlage auswählen
Ordnen Sie bei Bedarf die für die Branche maßgebliche Rechtsgrundlage zu.
3 Grenzwerte prüfen oder erfassen
Hinterlegen Sie branchentypische Stoffe und die dazugehörigen Grenzwertvorgaben.
4 Beschreibung ergänzen
Dokumentieren Sie fachliche Hinweise zur Branche, wenn zusätzliche Erläuterungen benötigt werden.
5 Speichern
Nach dem Speichern steht die Branche für die Zuordnung zu Indirekteinleitern zur Verfügung.

Bezeichnung

Die Bezeichnung ist eine Pflichtangabe und darf höchstens 250 Zeichen umfassen. WAVE verhindert, dass zwei aktive Branchen mit identischer Bezeichnung angelegt werden.

Beschreibung

Im Register Beschreibung können zusätzliche fachliche Erläuterungen zur Branche hinterlegt werden. Dieses Feld eignet sich beispielsweise für Hinweise zur Abgrenzung gegenüber ähnlichen Branchen oder für interne Erläuterungen zur Verwendung.

Rechtsgrundlage

Einer Branche kann eine Rechtsgrundlage zugeordnet werden. Diese Verknüpfung schafft den fachlichen Bezug zwischen der betrieblichen Tätigkeit und den rechtlichen Anforderungen, die bei der Bewertung des Indirekteinleiters zu berücksichtigen sind.

Die Rechtsgrundlage wird auch bei der systemseitigen Bereitstellung von Standardbranchen und Grenzwertvorgaben verwendet. Dadurch kann WAVE branchenspezifische Grenzwerte anhand der Kombination aus Branche und Rechtsgrundlage vorbesetzen.

Branchenspezifische Stoffe und Grenzwerte

Im Register Grenzwerte werden die Stoffe verwaltet, die für die jeweilige Branche fachlich relevant sind. Zu einem Stoff können je nach fachlicher Ausprägung unterschiedliche Grenzwertarten hinterlegt werden.

Die Grenzwertdaten können insbesondere folgende Informationen umfassen:

  • einen branchenspezifischen Stoff,
  • eine Kennzahl,
  • eine maximale Fracht,
  • eine maximale Konzentration,
  • die jeweils zugehörige Einheit,
  • den Anforderungsort.

Die einzelnen Grenzwerte werden zusammen mit der Branche gespeichert. Wird eine Branche neu angelegt und es werden noch keine eigenen Grenzwerte übergeben, kann WAVE vorhandene Standardvorgaben für die Branche initialisieren.

Warum Grenzwerte an der Branche?
Die Grenzwertliste bildet eine fachliche Vorlage. Sie beschreibt, welche Stoffe für Betriebe dieser Branche typischerweise relevant sind und mit welchen Vorgaben sie betrachtet werden sollen.

Zuordnung einer Branche zum Indirekteinleiter

Branchen werden nicht direkt als einzelnes Feld am Indirekteinleiter gespeichert, sondern über zeitlich gültige Branchenzuordnungen verwaltet. Dadurch kann die Branchenzugehörigkeit historisiert werden.

Für jede Zuordnung sind mindestens folgende Angaben erforderlich:

  • die Branche,
  • ein Gültig-ab-Datum,
  • optional ein Gültig-bis-Datum.

Das Gültig-bis-Datum muss – sofern angegeben – ein gültiges Intervall mit dem Gültig-ab-Datum bilden. Eine identische Branche darf für denselben Indirekteinleiter nicht mehrfach mit einem sich überschneidenden Gültigkeitszeitraum vorhanden sein.

Historisierung
Ändert sich die Tätigkeit eines Betriebes, kann die bisherige Branchenzuordnung beendet und eine neue Zuordnung mit neuem Gültigkeitsbeginn angelegt werden. Auf diese Weise bleibt nachvollziehbar, welche Branche zu welchem Zeitpunkt maßgeblich war.

Automatische Übernahme branchentypischer Stoffe

Die wichtigste fachliche Folge einer Branchenzuordnung zeigt sich bei den Stoff- und Grenzwertdaten des Indirekteinleiters.

Werden bei einem Indirekteinleiter keine eigenen Stoffe übergeben, ermittelt WAVE die aktuell gültigen Branchen des Betriebes. Anschließend werden die für diese Branchen hinterlegten Grenzwertvorgaben herangezogen.

Stoffe, die beim Indirekteinleiter noch nicht vorhanden sind, können dabei aus den Branchenvorgaben übernommen werden. Die übernommenen Einträge werden anschließend als Grenzwerte des Indirekteinleiters gespeichert.

Branche → branchentypische Stoffe und Grenzwerte → Vorgabe für den Indirekteinleiter

Sind einem Indirekteinleiter mehrere Branchen zugeordnet, werden die Vorgaben dieser Branchen gemeinsam betrachtet. Vor dem Speichern bereinigt WAVE doppelte Stoffeinträge, damit derselbe Stoff nicht mehrfach als gleichartige Vorgabe angelegt wird.

Bereits vorhandene Grenzwerte des Indirekteinleiters werden nicht einfach erneut aus der Branche dupliziert. Die Branchenzuordnung dient damit vor allem als Vorgabe für noch fehlende Stoffe.

Branchen als Such- und Filterkriterium

Die Branche kann bei der Suche nach Indirekteinleitern als Filter verwendet werden. Damit lassen sich beispielsweise alle Betriebe ermitteln, denen eine bestimmte Branche zugeordnet ist.

Zusätzlich steht eine textbasierte Branchensuche zur Verfügung. Dabei werden Indirekteinleiter über die Bezeichnung ihrer zugeordneten Branchen gefunden.

Diese Filtermöglichkeiten sind besonders nützlich, wenn fachlich ähnliche Betriebe gemeinsam kontrolliert, ausgewertet oder nachbearbeitet werden sollen.

Anzeige der Branchen am Indirekteinleiter

WAVE führt die aktuell gültigen Branchen eines Indirekteinleiters zusätzlich zu einer kompakten Branchenbezeichnung zusammen.

Für diese Anzeige werden die Branchen alphabetisch sortiert. Es werden höchstens die ersten drei Branchenbezeichnungen direkt ausgegeben. Sind weitere Branchen vorhanden, wird dies durch einen Zusatz kenntlich gemacht. Die zusammengefasste Darstellung ist auf 250 Zeichen begrenzt.

Je nach Verwendung kann neben der Branchenbezeichnung auch der Bezug zur zugeordneten Rechtsgrundlage in die Darstellung einfließen.

Branche und Abwasserrelevanz

Die Branchenzuordnung wird außerdem bei der Abwasserrelevanzeinstufung verwendet. WAVE kann für einen Indirekteinleiter einen Vorschlag aus bereits vorhandenen Einstufungen anderer Indirekteinleiter ableiten, die denselben Branchen zugeordnet sind.

Dazu werden die Branchen des aktuellen Indirekteinleiters ermittelt und anschließend Abwasserrelevanzdaten von Indirekteinleitern mit entsprechenden Branchen herangezogen. Aus mehreren passenden Einstufungen wird ein gemeinsamer Vorschlag gebildet.

Bei mehreren gefundenen Vergleichswerten berücksichtigt WAVE jeweils die strengere bzw. höhere Ausprägung bestimmter Bewertungskriterien. Dazu gehören unter anderem:

  • die Abwasserrelevanzstufe,
  • die automatische Abwasserrelevanzstufe,
  • die Bewertungszahl,
  • einzelne Bewertungsbereiche,
  • die Erforderlichkeit einer wasserrechtlichen Genehmigung,
  • branchenspezifische Stoffe in der Bewertung.
Vorschlag, keine automatische Entscheidung
Die Branchenzuordnung kann die fachliche Einstufung unterstützen, ersetzt aber nicht die Prüfung des konkreten Indirekteinleiters. Der ermittelte Wert ist ein Vorschlag auf Basis vergleichbarer Branchenzuordnungen und vorhandener Einstufungen.

Branche ändern

Eine bestehende Branche kann hinsichtlich Bezeichnung, Rechtsgrundlage, Beschreibung und ihrer Grenzwertvorgaben bearbeitet werden.

Beim Speichern prüft WAVE, ob die Bezeichnung vorhanden und weiterhin eindeutig ist. Zusätzlich wird verhindert, dass zwischenzeitliche Änderungen eines anderen Benutzers unbemerkt überschrieben werden.

Änderungen an Grenzwertvorgaben betreffen die Stammdaten der Branche. Bereits vorhandene individuelle Grenzwerte eines Indirekteinleiters werden dadurch nicht automatisch ersetzt.

Branche löschen

Beim Löschen wird eine Branche in WAVE als gelöscht gekennzeichnet. Gleichzeitig werden die zur Branche gehörenden Grenzwertvorgaben ebenfalls als gelöscht markiert.

Gelöschte Branchen werden in der normalen Branchenauswahl nicht mehr berücksichtigt. Vor dem Löschen sollte deshalb geprüft werden, ob die Branche noch für bestehende oder historisch relevante Indirekteinleiter benötigt wird.

Initiale Branchen und Standardvorgaben

Ist noch kein Branchenbestand vorhanden, kann WAVE einen vordefinierten Grundbestand an Branchen anlegen. Dabei werden den Branchen soweit vorgesehen bereits Rechtsgrundlagen zugeordnet.

Zusätzlich werden branchenspezifische Stoffe und zugehörige Grenzwertvorgaben aus den mitgelieferten Stammdaten bereitgestellt. Die Initialisierung berücksichtigt dabei insbesondere:

  • die Bezeichnung der Branche,
  • die zugehörige Rechtsgrundlage,
  • den branchenspezifischen Stoff,
  • Kennzahlen, Frachten oder Konzentrationen,
  • Einheiten,
  • den Anforderungsort.

Damit steht bereits nach der Grundeinrichtung eine fachliche Basis zur Verfügung, die anschließend an die örtlichen oder organisatorischen Anforderungen angepasst werden kann.

Empfehlungen für die Praxis

  • Branchen fachlich eindeutig abgrenzen: Vermeiden Sie mehrere nahezu gleichbedeutende Branchen, da dies die Zuordnung und spätere Auswertung unnötig erschwert.
  • Rechtsgrundlage konsequent pflegen: Sie bildet zusammen mit der Branche eine wichtige Grundlage für Standardgrenzwerte.
  • Grenzwerte als Vorlage verstehen: Hinterlegen Sie in der Branche nur solche Stoffe und Werte, die typischerweise für diese Branche relevant sind.
  • Individuelle Abweichungen am Indirekteinleiter pflegen: Branchendaten liefern Vorgaben; betriebsbezogene Besonderheiten gehören in die konkreten Grenzwerte des Indirekteinleiters.
  • Gültigkeitszeiträume verwenden: Beenden Sie alte Branchenzuordnungen, wenn sich die betriebliche Tätigkeit ändert, anstatt die Historie zu überschreiben.
  • Mehrfachzuordnungen bewusst einsetzen: Mehrere Branchen sind sinnvoll, wenn ein Betrieb tatsächlich unterschiedliche Tätigkeitsbereiche besitzt.
  • Vor Änderungen die Folgen prüfen: Branchen werden für Stoffvorgaben, Filter und die Ableitung von Abwasserrelevanzvorschlägen verwendet.
Zusammenfassung
Branchen sind im WAVE-Indirekteinleiterkataster ein zentrales fachliches Klassifikationsmerkmal. Sie beschreiben die betriebliche Tätigkeit eines Indirekteinleiters und verknüpfen diese mit Rechtsgrundlagen sowie branchentypischen Stoff- und Grenzwertvorgaben. Die Zuordnung ist zeitlich historisierbar und kann mehrfach erfolgen. WAVE verwendet Branchen außerdem für die Suche nach Indirekteinleitern, für die automatische Ergänzung noch fehlender Stoffvorgaben und als Grundlage für Vorschläge zur Abwasserrelevanzeinstufung. Damit helfen Branchen, gleichartige Betriebe einheitlich zu behandeln, ohne die individuelle Bewertung des einzelnen Indirekteinleiters zu ersetzen.
 
i.syde
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